Die Kapitaldienstfähigkeit zu berechnen hilft Dir einzuschätzen, ob Dein Unternehmen einen Kredit langfristig tragen kann. In diesem Artikel erfahren Selbständige, Freiberufler:innen und Unternehmer:innen, wie sie diese Kennzahl nutzen, um Finanzierungen zu planen, Unternehmenskredite zu beantragen oder ihre Bonität zu verstehen.

Inhalt

Was ist Kapitaldienstfähigkeit?

Die Kapitaldienstfähigkeit ist eine Kennzahl, die von Banken genutzt wird, um die finanzielle Situation von Kreditnehmer:innen und Finanzierungsrisiken besser einzuschätzen.

Was ist der Kapitaldienst?

Der Kapitaldienst umfasst alle regelmäßigen Zahlungen, die für einen Kredit anfallen. Dazu gehören die Tilgung des Darlehens, die Zinsen und mögliche Nebenkosten.

Unternehmen müssen diesen Betrag fristgerecht zahlen, um ihre Finanzierung aufrechtzuerhalten. Vor allem bei einem Unternehmenskredit prüfen Banken deshalb genau, ob der laufende Cashflow ausreicht, um den Kapitaldienst dauerhaft zu decken.

Was bedeutet Kapitaldienstfähigkeit?

Die Kapitaldienstfähigkeit zeigt, ob ein Unternehmen finanziell in der Lage ist, seine Kreditverpflichtungen zuverlässig zu erfüllen. Dafür vergleichen Banken die verfügbaren Mittel eines Unternehmens mit den jährlichen Kreditraten. Die Kennzahl spielt bei der Bonitätsprüfung von Unternehmen eine wichtige Rolle. 

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Warum ist die Kapitaldienstfähigkeit wichtig?

Die Kapitaldienstfähigkeit gehört zu den wichtigsten Kennzahlen bei Finanzierungen. Gleichzeitig hilft sie Unternehmen, die eigene finanzielle Situation zu bewerten und fundierte Entscheidungen zu treffen.

Überblick über Deine finanziellen Ressourcen und Risiken

Mit der Kapitaldienstfähigkeit erkennst Du früh, ob Deine Einnahmen ausreichen, um laufende Kredite sicher zurückzuzahlen. Dadurch lässt sich besser einschätzen, wie viel Fremdkapital Dein Unternehmen aufnehmen kann, ohne in Zahlungsschwierigkeiten zu geraten.

Was bedeutet eine hohe Kapitaldienstfähigkeit?

Fällt die Kapitaldienstfähigkeit hoch aus, wirkt Dein Unternehmen für Banken finanziell stabil. Das verbessert oft die Chancen auf einen Kredit und kann sich auch positiv auf die Konditionen auswirken.

Was bedeutet eine niedrige Kapitaldienstfähigkeit?

Eine niedrige Kapitaldienstfähigkeit ist für Banken meist ein Warnsignal. In diesem Fall reichen die laufenden Einnahmen oft nur knapp für Zinsen und Tilgung aus. Dadurch können Kredite teurer oder Finanzierungen abgelehnt werden.

Was ist der Kapitaldienstdeckungsgrad?

Mit dem Kapitaldienstdeckungsgrad prüfen Banken, ob der verfügbare Cashflow für die laufenden Kreditraten ausreicht. Dafür vergleichen sie den jährlichen Kapitaldienst mit den verfügbaren Mitteln des Unternehmens.

Liegt der Wert unter 1, kann es bei der Rückzahlung schnell eng werden. Werte über 1 gelten grundsätzlich als positiv. Viele Banken erwarten trotzdem einen höheren Kapitaldienstdeckungsgrad, damit auch bei schwankenden Einnahmen genügend finanzielle Reserven bleiben.

Wie hängen Kapitaldienst und Liquidität zusammen?

Auch die Liquidität spielt bei der Kapitaldienstfähigkeit eine wichtige Rolle. Unternehmen müssen jederzeit genügend verfügbare Mittel haben, um den Kapitaldienst pünktlich zu zahlen.

Selbst profitable Unternehmen können Probleme bekommen, wenn kurzfristig zu wenig Liquidität vorhanden ist. Deshalb betrachten Banken beide Kennzahlen immer gemeinsam.

Mit welcher Formel kann man die Kapitaldienstfähigkeit berechnen?

Für die Berechnung der Kapitaldienstfähigkeit nutzen Banken mehrere Kennzahlen. Dazu gehören der Cashflow, der erweiterte Cashflow und die Kapitaldienstgrenze.

Wie berechnet man den Cashflow?

Der Cashflow zeigt, wie viel Geld Dein Unternehmen mit seiner Geschäftstätigkeit erwirtschaftet.

Die vereinfachte Formel lautet:

Cashflow = Jahresüberschuss − zahlungsunwirksame Erträge + zahlungsunwirksame Aufwendungen

Zahlungsunwirksame Erträge sind Erträge, die zwar in der Gewinn- und Verlustrechnung verbucht werden, aber keinen direkten Zufluss von Mitteln darstellen. Zu den zahlungsunwirksamen Aufwendungen gehören zum Beispiel Abschreibungen oder Rückstellungen.

Ein positiver Cashflow zeigt, dass Deinem Unternehmen grundsätzlich liquide Mittel für laufende Kosten und Kreditraten zur Verfügung stehen.

Wie berechnet man den erweiterten Cashflow?

Für eine genauere Berechnung der Kapitaldienstfähigkeit berücksichtigen Banken oft zusätzliche Faktoren. Dazu gehören zum Beispiel Privatentnahmen beziehungsweise Ausschüttungen, Steuern oder weitere Verbindlichkeiten.

Die Grundformel für den erweiterten Cashflow lautet:

Erweiterter Cashflow = Cashflow − Steuern − Entnahmen/Ausschüttungen − sonstige Verpflichtungen

Wie berechnet man die Kapitaldienstgrenze?

Die Kapitaldienstgrenze zeigt, wie hoch die jährliche Kreditbelastung eines Unternehmens höchstens sein darf.

Die einfache Formel zur Berechnung der Kapitaldienstgrenze lautet:

Kapitaldienstgrenze = erweiterter Cashflow − betriebsnotwendige Investitionen​

Wie wird die Kapitaldienstfähigkeit interpretiert?

Je höher die Kapitaldienstgrenze ausfällt, desto mehr finanziellen Spielraum hat ein Unternehmen für die Rückzahlung von Krediten. Eine niedrige Kapitaldienstgrenze kann dagegen auf ein erhöhtes Finanzierungsrisiko hinweisen. Gleichzeitig wird der Kapitaldienstdeckungsgrad zur Bewertung herangezogen.

Auch die sogenannte Kapitaldienstauslastungsquote kann genutzt werden. Sie zeigt den Anteil des Cashflows, der für den Kapitaldienst aufgewendet werden muss.

Beispiel zur Kapitaldienstfähigkeit

Ein Unternehmen erzielt einen erweiterten Cashflow von 120.000 €. Zusätzlich fallen jährlich insgesamt 30.000 € an betriebsnotwendigen Investitionen an. Der erwartete jährliche Kapitaldienst liegt bei 40.000 €.

Die Berechnung der Kapitaldienstgrenze lautet in dem Fall:

120.000 € - 30.000 € = 90.000 €

Die Kapitaldienstgrenze liegt in diesem Beispiel bei 90.000 € und damit über dem Kapitaldienst. Somit könnte das Unternehmen diesen tragen.

Der Kapitaldienstdeckungsgrad errechnet sich aus erweitertem Cashflow und Kapitaldienst:

120.000 € / 40.000 € = 3

Das Ergebnis liegt über 1. Das Unternehmen gilt damit als kapitaldienstfähig.

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Wie bewerten Banken die Kapitaldienstfähigkeit?

Vor einer Finanzierung prüfen Banken die gesamte wirtschaftliche Situation eines Unternehmens. Dazu gehören neben der Kapitaldienstfähigkeit auch Einnahmen, laufende Kosten, bestehende Verbindlichkeiten und die langfristige Finanzplanung.

Das Vorgehen bei einem Finanzierungsantrag lässt sich dabei in mehrere Schritte einteilen.

Nachweis der Kapitaldienstfähigkeit Deines Unternehmens

Um die Kapitaldienstfähigkeit nachzuweisen, verlangen Banken meist aktuelle betriebswirtschaftliche Auswertungen, Jahresabschlüsse und Kontoübersichten. Damit prüfen sie, ob Dein Unternehmen seine Kreditraten dauerhaft tragen kann. Auch die Entwicklung von Umsatz und Liquidität spielt eine wichtige Rolle.

Erstellung eines Business- und Finanzplans

Ein professioneller Businessplan hilft Banken dabei, Deine wirtschaftliche Planung besser einzuschätzen. Besonders wichtig sind realistische Umsatzprognosen und nachvollziehbare Kosten. Ein Finanzplan sollte außerdem zeigen, wie sich der geplante Unternehmenskredit auf Deinen Cashflow auswirken wird.

Ermittlung Deines Finanzierungsbedarfs

Vor einem Kreditantrag solltest Du genau berechnen, wie viel Kapital tatsächlich benötigt wird. Zu hohe Kreditsummen verschlechtern oft die Kapitaldienstfähigkeit und erhöhen die finanzielle Belastung unnötig.

Klären der Kreditkonditionen mit Deiner Bank

Auch die Kreditkonditionen beeinflussen die Kapitaldienstfähigkeit. Laufzeit, Zinssatz und Tilgungsrate bestimmen, wie hoch der jährliche Kapitaldienst ausfällt. Daher lohnt es sich, verschiedene Angebote sorgfältig zu vergleichen.

Berechnung des Kapitaldienstes

Anhand der gewährten Bedingungen wird der voraussichtliche Kapitaldienst berechnet. Banken prüfen genau, ob der verfügbare Cashflow ausreicht, um alle Kreditverpflichtungen zuverlässig zu decken. Dabei werden auch bestehende Darlehen berücksichtigt.

Überprüfung des Finanzplans

Vor einer Kreditentscheidung analysieren Banken häufig mehrere Szenarien. Sie prüfen zum Beispiel, wie sich sinkende Umsätze oder steigende Kosten auf die Rückzahlung auswirken würden. Dadurch lässt sich das finanzielle Risiko besser einschätzen.

Kreditverhandlungen mit der Bank

Eine gute Vorbereitung verbessert Deine Position in Kreditgesprächen deutlich. Wer seine Zahlen kennt und die eigene Kapitaldienstfähigkeit nachvollziehbar erklären kann, wirkt professioneller und verlässlicher.

Wie kann die Kapitaldienstfähigkeit verbessert werden?

Eine niedrige Kapitaldienstfähigkeit schließt eine Finanzierung nicht automatisch aus. Oft lassen sich die eigenen Kennzahlen schon mit wenigen Anpassungen verbessern.

Senkung der Kosten

Sinkende Ausgaben verbessern den verfügbaren Cashflow oft sofort. Deshalb sollten Unternehmen regelmäßig ihre laufenden Kosten, Verträge und betrieblichen Prozesse prüfen.

Schuldenkonsolidierung

Mehrere laufende Kredite verursachen oft hohe monatliche Belastungen. Eine Zusammenlegung bestehender Darlehen kann die Rückzahlungen übersichtlicher machen und die monatlichen Kosten senken.

Zusätzliche Kreditnehmer:innen einbeziehen

Manche Banken bewerten einen Kreditantrag positiver, wenn weitere Personen mit unterschreiben oder eine Bürgschaft vorhanden ist. Dadurch sinkt aus Sicht der Bank oft das finanzielle Risiko.

Steigerung der Einnahmen

Ein höherer Umsatz kann die finanzielle Situation eines Unternehmens spürbar entlasten. Schon zusätzliche Aufträge oder stabilere Margen sorgen häufig dafür, dass mehr Geld für laufende Kreditraten verfügbar bleibt.

Optimierung Deiner Finanzplanung

Wer die eigenen Finanzen regelmäßig im Blick behält, erkennt mögliche Engpässe oft früher. Deshalb lohnt es sich, Einnahmen, Ausgaben und geplante Investitionen laufend zu kontrollieren.

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