Der Hebesatz bestimmt, wie viel Grundsteuer oder Gewerbesteuer Du tatsächlich zahlst. Seit der Grundsteuerreform 2025 prüfen viele Gemeinden ihre Sätze neu. Für Dich heißt das: Standort, Liquidität und Planung hängen stärker vom Hebesatz Deiner Gemeinde ab.
Was ist der Hebesatz in Grundsteuer und Gewerbesteuer?
Der Hebesatz ist ein Prozentsatz, den jede Gemeinde selbst festlegt. Er bestimmt, wie hoch Deine tatsächliche Grundsteuer oder Gewerbesteuer am Ende ausfällt. Rechtlich geregelt ist er in § 25 Grundsteuergesetz (GrStG) und § 16 Gewerbesteuergesetz (GewStG). Den konkreten Wert beschließt der Gemeinderat per Hebesatzsatzung.
Das Finanzamt berechnet zunächst den Steuermessbetrag. Erst durch den Hebesatz Deiner Gemeinde entsteht daraus die konkrete Steuerlast. Seit dem 1. Januar 2025 gilt die Grundsteuerreform. Sie brachte neue Grundstückswerte und angepasste Steuermesszahlen. Viele Kommunen haben in diesem Zuge ihre Hebesätze für 2025 und 2026 neu beschlossen.
Bei der Gewerbesteuer funktioniert das Prinzip ähnlich. Auch hier wird zunächst ein Messbetrag ermittelt, der anschließend mit dem Hebesatz der jeweiligen Gemeinde multipliziert wird. Weil jede Kommune ihren Gewerbesteuer-Hebesatz selbst bestimmt, unterscheiden sich die effektiven Steuersätze teils deutlich, ein Faktor, der bei der Standortwahl eine echte Rolle spielt.
KI-Buchhaltung erkundenArten von Hebesätzen in Deutschland
Je nach Steuerart gibt es unterschiedliche Hebesätze. Bei der Grundsteuer werden drei Arten unterschieden, bei der Gewerbesteuer gibt es einen einheitlichen Mindestwert.
Grundsteuer-Hebesätze
Bei der Grundsteuer unterscheidet man drei Arten von Hebesätzen – je nach Grundstückstyp und Nutzung:
- Hebesatz A: Für Betriebe der Land- und Forstwirtschaft; meist niedriger, um die Flächenbewirtschaftung zu entlasten.
- Hebesatz B: Für alle übrigen Grundstücke, zum Beispiel Wohn- oder Gewerbeimmobilien; in der Praxis der wichtigste Hebesatz.
- Hebesatz C: Seit 2019 im Gesetz, ab 2025 erstmals nutzbar – für baureife, unbebaute Grundstücke. Das soll Bauland aktivieren und Spekulation verhindern. Nicht jedes Bundesland nutzt ihn, Bayern verzichtet komplett.
Gewerbesteuer-Hebesatz
Der Gewerbesteuer-Hebesatz gilt für alle Unternehmen einer Gemeinde. Er beträgt mindestens 200 %, liegt in der Praxis jedoch meist deutlich darüber. Er wird auf den gesetzlich festgelegten Steuermessbetrag von 3,5 % des Gewerbeertrags angewendet.
Hebesatz berechnen: Formel und Beispiel
Der Hebesatz wird immer auf den sogenannten Steuermessbetrag angewendet. Wer seine Gewerbesteuer berechnen will, nutzt eine einfache Formel:
Grundsteuer = Grundsteuerwert × Steuermesszahl (‰) × Hebesatz (%)
Gewerbesteuer = (Gewerbeertrag − Freibetrag) × 3,5 % × Hebesatz (%)
Steuerfreibetrag: 24.500 € für Einzelunternehmen und Personengesellschaften
Eine ausführliche Erklärung findest Du hier: Gewerbesteuer-Hebesatz – Definition und Beispiele.
Beispiel Grundsteuer (Berlin 2026):
Grundsteuerwert: 200.000 €
Steuermesszahl: 0,31 ‰
→ 200.000 € × 0,00031 = 62 € Steuermessbetrag
Hebesatz Berlin: 470 %
→ 62 € × 4,70 = 291,40 € Jahresgrundsteuer
Bedeutung des Hebesatzes
Der Hebesatz beeinflusst direkt, wie viel Grundsteuer oder Gewerbesteuer Du zahlst. Ein höherer Wert erhöht die Abgaben, ein niedrigerer senkt sie. Kleine Unterschiede summieren sich über Jahre – besonders bei hohen Grundstücks- oder Gewerbewerten.
Gleichzeitig ist der Hebesatz ein wichtiger Standortfaktor. Kommunen setzen ihn gezielt ein, um Einnahmen zu sichern oder Unternehmen anzulocken. Für Unternehmer:innen kann der Unterschied zwischen zum Beispiel 250 % und 490 % Gewerbesteuer-Hebesatz entscheidend sein, wenn es um die Wahl des Standorts geht.
Aktuelle Werte, Unterschiede und Reformen
Die Unterschiede zwischen Großstädten bleiben auch 2026 deutlich. Je nach Standort kann der Hebesatz Deine laufenden Kosten spürbar verändern, besonders bei größeren Grundstücken oder betrieblich genutzten Immobilien.
Beispiele 2026 (Grundsteuer B):
- Hamburg – Grundsteuer B: 975 %, Grundsteuer C: 8.000 % (SonderHebesatz für unbebaute, baureife Grundstücke)
- Düsseldorf – Grundsteuer B: 374 %
- Frankfurt am Main – Grundsteuer B: 854,69 %
- Köln – Grundsteuer B: 550 %
Zum 1. Januar 2025 trat die Grundsteuerreform in Kraft. Seitdem gelten neue Grundstückswerte und angepasste Steuermesszahlen. Die Gemeinden bestimmen weiterhin den Hebesatz und genau dieser entscheidet 2026 über Deine tatsächliche Steuerbelastung.
KI-Buchhaltungsagent ausprobierenHebesatz finden und richtig einschätzen
Am einfachsten findest Du Deinen Hebesatz im Grundsteuerbescheid. Die neuen Bescheide 2026 enthalten bereits die aktualisierten Werte, die Deine Kommune festgelegt hat.
Falls Dir kein Bescheid vorliegt, hilft eine kurze Online-Recherche: Suche auf der Website Deiner Stadt oder Gemeinde nach „Hebesatzsatzung“ oder nutze offizielle Steuerportale wie grundsteuerreform.de.
Bei der Eigenberechnung passieren oft Fehler: Häufig wird der Hebesatz direkt auf den Grundsteuerwert angewendet – richtig ist aber der Umweg über die Steuermesszahl und den Messbetrag. Ebenfalls wichtig: Prozent (%) und Promille (‰) nicht verwechseln.
FAQ
Wie hoch ist der Hebesatz ab 2026?
Der Hebesatz wird von jeder Gemeinde selbst festgelegt. 2026 liegen die Werte bei der Grundsteuer B in Großstädten meist zwischen rund 350 % und über 900 %. Maßgeblich ist immer der Satz Deiner Kommune.
Was bedeutet Hebesatz 400?
Der Messbetrag wird mit 400 % multipliziert. Beispiel: 100 € Messbetrag × 400 % = 400 € Steuer.
Wer legt den Hebesatz fest?
Der Gemeinde- oder Stadtrat beschließt den Hebesatz per Hebesatzsatzung.
Wonach richtet sich der Hebesatz?
Nach Haushaltslage, Investitionsplänen und Zielen der Kommune.
Welche Stadt hat 2026 den höchsten Hebesatz?
Bei der Grundsteuer B zählt Hamburg mit 975 % zu den Städten mit besonders hohem Hebesatz. Bei der Grundsteuer C liegt Hamburg mit 8.000 % deutlich darüber.
Warum ist der Hebesatz so unterschiedlich?
Weil jede Kommune ihre Haushaltslage, Infrastrukturkosten und wirtschaftspolitischen Ziele individuell berücksichtigt.
Was bedeutet Hebesatz bei der Gewerbesteuer?
Er wird auf den einheitlichen Steuermessbetrag von 3,5 % angewendet. MindestHebesatz: 200 %. → Mehr dazu im Artikel Gewerbesteuer-Hebesatz.
Wo finde ich den Hebesatz?
Im Steuerbescheid oder auf der Website Deiner Gemeinde unter „Hebesatzsatzung“.
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