Ein Anruf vom „Sicherheitsteam“? So etwas machen wir nicht.

Im vollständigen Artikel: Wie die Masche Schritt für Schritt funktioniert, welche Warnsignale auf einen Angriff hindeuten und eine 6-Punkte-Checkliste, mit der Sie Ihr Konto sofort schützen können.

Inhalt

Ein Anruf – und Ihr Konto ist leer

Ein einziger Telefonanruf genügt, um die gesamten Bankbestände eines Unternehmens zu gefährden. Betrüger geben sich als Support-Team Ihrer Bank aus, sprechen Sie mit Namen an, setzen Sie unter Zeitdruck und fragen nach einem SMS-Code, „um eine verdächtige Zahlung zu stornieren“. Zwei Minuten später ist das Geld für immer weg.

Wir haben echte Fälle von Kontoübernahmen bei Geschäftskonten Anfang 2026 analysiert. Das Ergebnis ist eindeutig: 6 von 10 Angriffen beginnen nicht mit einem Hackerangriff, sondern mit einem gewöhnlichen Telefonat oder Link – und in 58% der Fälle besteht der erste Schritt des Betrügers darin, Ihre Rufnummer zu ändern, damit er jeden Code abfangen kann.

Behalten Sie eine Grundregel immer im Hinterkopf: Finom ruft Kunden niemals an, um nach Codes, Passwörtern oder dem Anklicken eines Links zu fragen. Wenn jemand „im Namen von Finom“ anruft und solche Informationen abfragt – handelt es sich um einen Betrüger.

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Warum das gerade jetzt wichtig ist

Kontoübernahme (Account Takeover; ATO) klingt nach etwas Technischem und Seltenem. In Wirklichkeit ist es jedoch eine der häufigsten und am schnellsten auftretenden Sicherheitsbedrohungen, denen Unternehmer ausgesetzt sind. Und der entscheidende Punkt dabei ist: In den allermeisten Fällen müssen Betrüger gar nichts hacken. Sie brauchen nur Ihre Hilfe, um sich Zugang zu verschaffen.

Als wir reale Vorfälle von Anfang 2026 untersuchten, haben wir festgestellt, dass 60% der Angriffe auf Social Engineering beruhen – mit anderen Worten: auf einem Gespräch – und etwa die Hälfte davon entfällt auf Phishing (gefälschte E-Mails und Links). Technische Sicherheitslücken, Malware und SIM-Swaps machen einen deutlich geringeren Anteil aus. Kurz gesagt: Ihr größtes Risiko ist kein „schwaches Passwort“ – es ist die überzeugende Stimme am anderen Ende der Leitung.

Die gute Nachricht ist: Da diese Angriffe darauf abzielen, Personen zu täuschen, besteht die Abwehr vor allem aus einer Reihe einfacher Gewohnheiten und nicht aus teurer Technologie.

Eine Regel, die man sich für immer merken sollte

Bevor wir uns mit den Details befassen, kommen wir zunächst zum wichtigsten Punkt:

Finom ruft Kunden niemals an und sendet ihnen auch keine Nachrichten, um Passwörter, SMS- oder Push-Codes abzufragen oder sie dazu aufzufordern, auf einen Link zu klicken, um eine Transaktion zu „bestätigen“ oder zu „stornieren“.

Echter Kundensupport braucht keine Codes von Ihnen, denn diese dienen genau dazu, Sie vor Außenstehenden zu schützen. Daher handelt es sich bei jedem Anruf oder jeder Nachricht „vom Finom-Sicherheitsteam“, in der eine solche Anfrage gestellt wird, ausnahmslos um Betrug. Im Zweifelsfall beenden Sie einfach das Gespräch und nehmen Sie selbst über die App Kontakt mit Ihrer Bank auf.

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So funktioniert die Masche

Das häufigste und erfolgreichste Szenario ist eine zweistufige Kombination (die in mehr als 40% aller Fälle zum Einsatz kommt):

  1.  Phishing. Sie erhalten eine E-Mail oder SMS „von Ihrer Bank“: „Bestätigen Sie Ihre Anmeldung“, „Ihr Konto ist gesperrt“, „Neues Gerät erkannt“. Der Link führt zu einer gefälschten Anmeldeseite, die genau wie die echte aussieht. Sie geben Ihren Benutzernamen und Ihr Passwort ein, und diese gelangen sofort in die Hände des Betrügers.
  2. Vishing (per Telefon). Um Ihre zweite Schutzebene zu umgehen, erhalten Sie sofort einen Anruf vom „Sicherheitsteam“. Eine ruhige, selbstbewusste Stimme spricht Sie mit Ihrem Namen an, verweist auf eine „verdächtige Transaktion“ und bittet Sie, den Code aus Ihrer SMS vorzulesen, „um die Zahlung zu stornieren“. Dieser Code ist Ihr letztes Abwehrmittel.

Danach geht alles sehr schnell. Sobald der Betrüger Zugriff hat, ändert er fast immer als Erstes die verknüpfte Rufnummer – in 58% der dokumentierten Fälle war dies die erste erfasste Aktion. Hier schlägt die Falle zu: Das Telefon ist der „Generalschlüssel“ zum Konto. Mit der Kontrolle über Ihre Rufnummer erhält der Angreifer alle SMS-Codes, Links zum Zurücksetzen des Passworts und Bestätigungen. Anschließend ändert er die E-Mail-Adresse und das Passwort – und der rechtmäßige Inhaber verliert den Zugriff auf sein eigenes Konto vollständig.

Das Geld verschwindet fast augenblicklich. In konkreten Fällen erfolgte eine Überweisung innerhalb von 2 Minuten nach der Änderung der Zugangsdaten – über Echtzeitüberweisungen, die nicht rückgängig gemacht werden können. Hinzu kommt, dass ein Drittel dieser Angriffe automatisiert abläuft: Der nächste Schritt folgt in weniger als 10 Minuten, da die Empfängerkonten bereits im Vorfeld eingerichtet wurden.

Warum selbst erfahrene Menschen darauf hereinfallen

Das hat nichts mit Leichtgläubigkeit zu tun. Betrüger verstehen ihr Handwerk und wissen genau, welche psychologischen Knöpfe sie drücken müssen:

  • Dringlichkeit. „Die Zahlung wird in 5 Minuten ausgeführt, wenn Sie nicht bestätigen.“ Es bleibt keine Zeit zum Nachdenken.
  • Vertrauen in die Marke. Der Anrufer kennt Ihren Namen, Ihr Unternehmen, manchmal sogar Ihre letzten Transaktionen. Alles klingt nach echtem Kundensupport.
  •  Angst vor Konto- oder Geldverlust. Das Paradoxon daran: Das Opfer liest den Code vor, um sein Konto zu „retten“ – und verliert es genau dadurch.
  • Autorität. „Sicherheitsteam“, „Bankmitarbeiter“, „Google-Vertreter“ – Rollen, vor denen wir von Grund auf Respekt haben.

Ein wichtiges Detail aus den vorliegenden Daten zeigt: Die eigentliche Ursache des Problems liegt häufig gar nicht bei der Bank selbst, sondern in einem bereits kompromittierten E-Mail-Konto des Opfers. In 41% der Fälle hatte der Betrüger bereits Zugriff auf das E-Mail-Postfach, noch bevor er überhaupt das Bankkonto im Visier hatte. Das E-Mail-Konto fungiert somit als eine Art Ersatzschlüssel für die gesamte digitale Identität. Daher ist sein Schutz genauso essenziell wie die Sicherheit der Banking-App selbst.

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Wie ein Angriff von innen aussieht: ein reales Fallbeispiel

Der Inhaber eines kleinen Unternehmens erhält eine SMS: „Finom: „Es wurde ein Anmeldeversuch von einem neuen Gerät festgestellt. Wenn Sie das nicht waren, klicken Sie hier“. Er klickt darauf, sieht das vertraute Anmeldeformular und gibt seine Daten ein. Es scheint nichts zu passieren – er schließt die Seite und denkt nicht weiter darüber nach.

Eine Minute später ein Anruf: „Guten Tag, hier spricht das Sicherheitsteam von Finom. Jemand versucht gerade, 3.900 € von Ihrem Konto abzuheben. Um diesen Vorgang zu stornieren, lesen Sie uns bitte den Code aus Ihrer SMS vor.“ Das Opfer liest den Code vor. „Vielen Dank, die Zahlung ist gesperrt, alles in Ordnung.“

In Wirklichkeit werden genau in diesem Moment die Rufnummer des Kontos geändert, dann die E-Mail-Adresse und schließlich das Passwort. Wenige Minuten später wird eine Echtzeitüberweisung vorgenommen. Sie bemerken nichts – die App sendet keine Benachrichtigungen mehr, weil es nicht mehr ihre Zugangsdaten sind. Im Durchschnitt wird das Problem erst drei Wochen später entdeckt – wenn es nichts mehr zu retten gibt.

Und noch einmal der entscheidende Punkt: In dieser Situation ruft das „echte“ Finom niemals an, um einen Code von Ihnen abzufragen. Der bloße Anruf ist das Warnsignal für einen Betrugsversuch.

Warnsignale

Kriterien für erhöhte Aufmerksamkeit:

  • Wenn jemand von sich aus Kontakt zu Ihnen aufnimmt und Sie nach einem Code oder Passwort fragt oder Sie zum Klicken auf einen Link auffordert.
  • Wenn der Anrufer Sie unter Zeitdruck setzt und nicht zulässt, dass Sie „auflegen und selbst zurückrufen“.
  • Wenn sie eine Benachrichtigung über die Änderung Ihrer Rufnummer, Ihrer E-Mail-Adresse oder Ihres Passworts erhalten, die Sie nicht selbst veranlasst haben.
  • Wenn die gewohnten SMS- oder Push-Nachrichten Ihrer Bank plötzlich ausbleiben.
  • Wenn ein Link in einer E-Mail auf eine Adresse verweist, die der echten Domain täuschend ähnlich sieht (z.B. finom-secure.com statt der offiziellen Domain).
  • Wenn sie aufgefordert werden, Geld auf ein vermeintlich „sicheres“ oder „Sicherungskonto“ zu überweisen.

So schützen Sie Ihr Unternehmen

Konkrete Schutzmaßnahmen, geordnet nach Wirksamkeit:

  • Lesen Sie niemals SMS- oder Push-Codes vor: Lesen Sie niemals SMS- oder Push-Codes für irgendjemanden laut vor. Kein echter Bankmitarbeiter, Finom eingeschlossen, wird jemals nach einem Code fragen – nur Betrüger tun dies. Das ist Regel Nummer eins.
  • Klicken Sie nicht auf Links in E-Mails oder Textnachrichten. Loggen Sie sich beim Online-Banking ausschließlich über die offizielle App oder eine manuell eingegebene Website-Adresse ein.
  • Wechseln Sie von SMS-Codes zu In-App-Bestätigungen (Push/Passkey), wenn Ihre Bank dies unterstützt. In diesem Fall bleibt der Betrüger selbst nach einer Änderung der Rufnummer machtlos.
  • Schützen Sie Ihre E-Mail – sie ist der Ersatzschlüssel zu allem. Aktivieren Sie die Zwei-Faktor-Authentifizierung und verwenden Sie ein einzigartiges Passwort.
  • Verwenden Sie starke, unterschiedliche Passwörter und einen Passwort-Manager. Das gleiche Passwort für E-Mail und Online-Banking bedeutet, dass bei einem Datenleck sofort beide Zugänge gefährdet sind.
  • Aktivieren Sie alle Benachrichtigungen für Anmeldungen, Datenänderungen und Transaktionen – damit Sie einen Angriff in Minuten bemerken und nicht erst nach Wochen.
  •  Legen Sie im Zweifelsfall sofort auf und loggen Sie sich über die offizielle App ein.

Richtiges Verhalten bei Betrugsverdacht

Falls Sie einen Code vorgelesen, auf einen verdächtigen Link geklickt oder Änderungen sehen, die Sie nicht selbst vorgenommen haben: Handeln Sie sofort – jede Minute zählt!

  1. Öffnen Sie die App und überprüfen Sie, ob Sie noch Zugang haben.
  2. Ändern Sie Ihr Passwort sowohl bei der Bank als auch in Ihrem E-Mail-Account.
  3. Nehmen Sie über die offizielle App Kontakt mit Finom auf und melden Sie die Kontoübernahme – beantragen Sie, dass das Konto und alle Transaktionen gesperrt werden.
  4.  Überprüfen Sie die letzten Transaktionen und notieren Sie sich alles, was Ihnen verdächtig erscheint.
  5. Überprüfen Sie Ihre Rufnummer und E-Mail-Adresse in den Einstellungen – stellen Sie sicher, dass diese nicht ausgetauscht wurden.
  6. Erstatten Sie Anzeige bei der Polizei, falls Geld entwendet wurde.

Schnelligkeit ist entscheidend: Echtzeitüberweisungen lassen sich fast nie rückgängig machen, aber eine schnelle Sperrung rettet oft das noch verbleibende Guthaben.

Fazit

Bei der Kontoübernahme geht es nicht um geniale Hacker. Es geht um eine ruhige Stimme, einen gefälschten Link und eine Minute Ihrer Unachtsamkeit. Betrüger möchten Ihre Aufmerksamkeit und Ihr Vertrauen gewinnen und nicht etwa „Lücken“ im Bankensystem ausnutzen. Der beste Schutz sind einfache, aber konsequente Vorsichtsmaßregeln. Die erste könnte nicht einfacher sein: Wenn jemand „von Finom“ anruft und nach einem Code fragt – dann sind wir das das. Legen Sie also einfach auf.

Checkliste: 6 Dinge, die Sie heute noch tun können

  1. Teilen Sie niemals SMS- oder Push-Codes – nicht einmal mit dem „Sicherheitsteam“. Finom fragt diese niemals ab.
  2. Aktivieren Sie die App-basierte Anmeldung oder einen Passkey anstelle von SMS-Codes.
  3. Schalten Sie die Zwei-Faktor-Authentifizierung für Ihre E-Mail ein und legen Sie ein einzigartiges Passwort fest.
  4. Nutzen Sie einen Passwort-Manager – verwenden Sie unterschiedliche Passwörter für Banking, E-Mail und andere Dienste.
  5. Aktivieren Sie alle Benachrichtigungen für Anmeldungen, Datenänderungen und Zahlungen.
  6. Merken Sie sich folgende Grundregel: Im Zweifelsfall beenden Sie das Gespräch und loggen sich selbst über die App bei Ihrer Bank an.

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