Aktiva und Passiva bilden das Herzstück jeder Bilanz und sind essentiell für jedes Unternehmen. Dieser Artikel erklärt Dir verständlich den Unterschied zwischen Aktiva und Passiva und zeigt, wie Du diese wichtigen Kennzahlen richtig interpretierst.
Was sind Aktiva und Passiva?
Aktiva und Passiva sind die beiden grundlegenden Bestandteile einer Bilanz. Sie stellen eine Momentaufnahme der finanziellen Lage eines Unternehmens zu einem bestimmten Zeitpunkt dar. Der Begriff Aktiva bezieht sich auf das Vermögen eines Unternehmens, also seinen Besitz und seine Wertanlagen. Die Passiva hingegen zeigen, woher die Mittel stammen, mit denen dieses Vermögen finanziert wurde. Sie geben Auskunft über Finanzierungsquellen, darunter Eigenkapital und Fremdkapital.
Ein typisches Beispiel für eine Aktiva-Passiva-Bilanz findet man im Jahresabschluss eines Unternehmens. Darin stehen auf der linken Seite die Aktiva und auf der rechten Seite die Passiva. Die Bilanzgleichung besagt, dass die Summe der Aktiva immer gleich der Summe der Passiva sein sollte, da jeder Vermögenswert durch eine Finanzierungsquelle gedeckt sein muss. § 246 Abs. 1 Handelsgesetzbuch legt außerdem fest, dass die Bilanz alle relevanten Posten enthalten muss und dass diese nicht miteinander verrechnet werden dürfen. Ausnahmen bestehen laut § 274 HGB beispielsweise bei Differenzen zwischen handels- und steuerlichen Wertansätzen – führen diese zu Steuerentlastungen, dürfen sie als passive latente Steuern angegeben werden.
Was sind Aktiva?
Aktiva sind alle Vermögenswerte eines Unternehmens. Aus diesen Vermögenswerten kann in Zukunft wirtschaftlicher Nutzen gezogen werden. Sie stellen die Ressourcen dar, die das Unternehmen kontrolliert und zur Gewinnerzielung einsetzt. In der Bilanz stehen die Aktiva auf der linken Seite. Sie geben Auskunft über die Zusammensetzung des Unternehmensvermögens.
Zu den Aktiva zählen materielle Güter wie Grundstücke, Gebäude, Maschinen und Anlagen. Auch immaterielle Güter wie Patente, Lizenzen und Markenrechte zählen zu den Aktiva, genauso wie Forderungen aus Lieferungen und Leistungen, Wertpapiere und liquide Mittel. Geleistete Anzahlungen, bei denen das Unternehmen bereits für künftige Lieferungen oder Leistungen gezahlt hat, werden ebenfalls aktiviert.
Die Rolle der Aktiva bei der Gewinnerzielung ist zentral. Sie bilden die Grundlage von betrieblichen Tätigkeiten wie der Produktherstellung und Erbringung von Dienstleistungen.
Arten von Aktiva in der Buchhaltung
In der Buchführung werden Aktiva nach Liquidität in verschiedene Kategorien eingeteilt. Die beiden Hauptgruppen sind das Umlaufvermögen und das Anlagevermögen.
Das Umlaufvermögen umfasst Vermögenswerte, die kurzfristig, in der Regel innerhalb eines Jahres, verflüssigt werden sollten. Dazu gehören:
- liquide Mittel: unmittelbar verfügbare Zahlungsmittel wie Bargeld, Bankguthaben oder Schecks
- Forderungen aus Lieferungen und Leistungen: Ansprüche gegenüber Kund:innen für bereits gelieferte Waren oder erbrachte Dienstleistungen
- Vorräte: Rohstoffe sowie unfertige und fertige Erzeugnisse, die zum Verkauf bestimmt sind
- Wertpapiere: kurzfristig gehaltene Aktien und Anleihen, die schnell verkauft werden können
Das Anlagevermögen hingegen besteht aus langfristigen Vermögenswerten. Diese dienen dem Unternehmen über einen längeren Zeitraum und sind nicht zum kurzfristigen Verkauf bestimmt. Beispiele hierfür sind:
- Sachanlagen: Grundstücke, Gebäude, Maschinen oder Fahrzeuge – materielle Güter, die im Produktionsprozess oder für administrative Zwecke genutzt werden
- immaterielle Vermögenswerte: Patente, Lizenzen, Markenrechte und Software – nicht physische Vermögenswerte, die einen erheblichen Wert für das Unternehmen darstellen können
- Finanzanlagen: langfristige Beteiligungen an anderen Unternehmen, darunter langfristig gehaltene Aktien und Anleihen
Die verschiedenen Arten von Aktiva tragen auf unterschiedliche Weise zur Gewinnerzielung bei. Langfristige Aktiva wie Immobilien und Maschinen dienen als Basis für die Produktion und schaffen langfristige Werte. Umlaufvermögen wie Vorräte und Forderungen wird im normalen Geschäftsverlauf umgesetzt und trägt zu kurzfristigen Erträgen bei. Immaterielle Vermögenswerte wie Patente und Markenrechte können hingegen Wettbewerbsvorteile schaffen und die Profitabilität steigern. Die sorgfältige Auswahl und der effiziente Einsatz von Aktiva unter Berücksichtigung von Faktoren wie der Abschreibung und Nutzungsdauer sind daher entscheidend für den langfristigen Erfolg eines Unternehmens.
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Was sind Passiva?
Passiva stellen die Finanzierungsquellen eines Unternehmens dar – sie zeigen, woher das in den Vermögenswerten (Aktiva) gebundene Kapital stammt. Passiva stehen auf der rechten Seite der Bilanz und geben Auskunft darüber, wie das Unternehmen seine Aktiva finanziert.
Die Zusammensetzung der Passiva spielt eine wichtige Rolle bei der Beurteilung der finanziellen Stabilität eines Unternehmens. Ein hoher Anteil an Eigenkapital im Verhältnis zum Fremdkapital wird in der Regel positiv bewertet. Er deutet auf eine solide finanzielle Basis und eine geringere Abhängigkeit von externen Kreditgebern hin, obwohl Schulden auch strategisch genutzt werden können. Dies nennt man Leverage-Effekt. Die Analyse der Passivseite gibt somit Aufschluss über die Kapitalstruktur und das Risikoprofil eines Unternehmens.
Arten von Passiva
Grundsätzlich lassen sich Passiva in zwei Hauptkategorien unterteilen: Eigenkapital und Fremdkapital.
Das Eigenkapital ist der Teil des Vermögens, der den Eigentümern des Unternehmens gehört. Es stellt die langfristige Finanzierungsgrundlage dar und wird nicht zurückgezahlt. Zum Eigenkapital gehören:
- gezeichnetes Kapital: Beträge, die die Gesellschafter bei der Gründung des Unternehmens oder bei Kapitalerhöhungen eingezahlt haben
- Kapitalrücklagen: Beträge, die bei der Ausgabe von Aktien über den Nennwert hinaus erzielt werden (Agio)
- Gewinnrücklagen: einbehaltene Gewinne aus früheren Geschäftsjahren, die nicht ausgeschüttet wurden, sondern im Unternehmen verbleiben
- Jahresüberschuss/Jahresfehlbetrag: Ergebnis des laufenden Geschäftsjahres – ein Jahresüberschuss erhöht das Eigenkapital, ein Jahresfehlbetrag vermindert es.
Das Fremdkapital hingegen sind Verbindlichkeiten gegenüber Dritten, die zu einem bestimmten Zeitpunkt zurückgezahlt werden müssen. Es handelt sich um Schulden, die in der Regel verzinslich sind. Man unterscheidet zwischen kurz- und langfristigem Fremdkapital.
- Kurzfristiges Fremdkapital (unter 1 Jahr):
- Verbindlichkeiten gegenüber Lieferanten für bezogene Waren oder Dienstleistungen
- Kredite mit einer Laufzeit von weniger als einem Jahr
- sonstige kurzfristige Verbindlichkeiten wie Steuerschulden oder kurzfristige Rückstellungen.
- Langfristiges Fremdkapital (über 1 Jahr):
- Darlehen und Hypotheken mit einer Laufzeit von mehr als einem Jahr
- am Kapitalmarkt begebene Schuldverschreibungen
- langfristige Rückstellungen, beispielsweise für zukünftige Pensionszahlungen an Mitarbeiter
Zusammenhang zwischen Aktiva und Passiva
Aktiva und Passiva sind durch die Bilanzgleichung verbunden: Aktiva = Passiva. Diese Gleichung besagt, dass der Wert des Vermögens eines Unternehmens (Aktiva) immer der Summe seiner Finanzierungsquellen (Passiva) entspricht. Dieser Zusammenhang muss bestehen, da jeder Vermögenswert, den ein Unternehmen besitzt, durch eine bestimmte Finanzierungsquelle gedeckt sein muss. Vermögenswerte werden entweder durch Eigenkapital oder durch Fremdkapital finanziert.
Der Ausgleich von Aktiva und Passiva erfolgt automatisch durch die doppelte Buchführung. § 266 Handelsgesetzbuch regelt die Gliederung der Bilanz in Form einer Aktiva-Passiva-Tabelle. Jeder Geschäftsvorfall wird jeweils auf der Aktiv- und der Passivseite verbucht. So bleibt die Bilanzgleichung immer erhalten. Ist das Eigenkapital aufgezehrt und ergibt sich auf der Passivseite ein Überschuss, so ist dieser nach § 268 Handelsgesetzbuch zum Ausgleich des Bilanzverlustes gesondert auszuweisen.
Es gibt verschiedene Arten von Bilanzveränderungen, die sowohl Aktiva als auch Passiva betreffen:
- Aktivtausch: Veränderungen nur auf der Aktivseite, die Bilanzsumme bleibt unverändert. Hierbei wird ein Aktivposten gegen einen anderen Aktivposten getauscht. Ein Beispiel: der Kauf von Rohstoffen gegen Barzahlung – der Rohstoffbestand erhöht sich, das Bankguthaben verringert sich.
- Passivtausch: Veränderungen nur auf der Passivseite, die Bilanzsumme bleibt unverändert. Hierbei wird eine Passivposition gegen eine andere Passivposition getauscht. Ein Beispiel: die Umschuldung kurzfristiger Verbindlichkeiten in langfristige Kredite – kurzfristige Verbindlichkeiten sinken, langfristige Verbindlichkeiten steigen.
- Bilanzverlängerung: Sowohl Aktiva als auch Passiva erhöhen sich um den gleichen Betrag, somit erhöht sich auch die Bilanzsumme. Ein Beispiel: der Kauf einer Maschine auf Kredit – der Wert der Sachanlagen (Aktiva) und die Darlehen (Passiva) steigen.
- Bilanzverkürzung: Sowohl Aktiva als auch Passiva verringern sich um den gleichen Betrag, wodurch die Bilanzsumme sinkt. Ein Beispiel: die Rückzahlung eines Kredits durch Banküberweisung – das Bankguthaben (Aktiva) und der zurückzuzahlende Bankkredit (Passiva) verringern sich.
Wie werden Aktiva und Passiva analysiert?
Nach dieser Erklärung von Aktiva und Passiva geht es nun darum, wie man die finanzielle Situation eines Unternehmens beurteilt. Hierfür stehen verschiedene Methoden zur Verfügung, darunter die horizontale und die vertikale Analyse sowie die Berechnung und Analyse von Kennzahlen.
Vertikale Bilanzanalyse
Die vertikale Bilanzanalyse untersucht den Aufbau des Vermögens und der Finanzierung eines Unternehmens. Sie zeigt, woher das Geld stammt – beispielsweise aus Eigen- oder Fremdkapital – und wie es verwendet wird, beispielsweise für Maschinen, Gebäude oder Waren. Dies gibt Aufschluss über die finanzielle Stabilität des Unternehmens.
Man unterscheidet bei den vertikalen Kennzahlen zwischen der Analyse der Kapitalstruktur und der Vermögensstruktur.
- Für die Analyse der Kapitalstruktur betrachtet man beispielsweise die Eigenkapitalquote, die Fremdkapitalquote und den Verschuldungsgrad. Diese Kennzahlen zeigen das Verhältnis von eigenem und fremdem Geld.
- Die Vermögensstruktur wird anhand von Kennzahlen wie der Anlagenintensität und der Umlaufintensität analysiert. Diese zeigen, wie das Vermögen auf langfristige Anlagen und kurzfristig verfügbares Vermögen verteilt ist.
Horizontale Bilanzanalyse
Die horizontale Bilanzanalyse untersucht, wie Aktiva durch Passiva gedeckt sind. Sie betrachtet die Deckungs- und Liquiditätsgrade sowie das Working Capital. Diese Kennzahlen zeigen, wie gut ein Unternehmen kurzfristige Kosten decken und seine Rechnungen bezahlen kann. Aus diesem Grund wird die horizontale Bilanzanalyse auch als Liquiditätsanalyse bezeichnet.
Arten von Kennzahlen der Aktiva-Passiva-Bilanz
Wie oben bereits erwähnt, werden für die Analyse der Bilanz verschiedene Kennzahlen herangezogen. Im Folgenden findest Du detaillierte Erklärungen der wichtigsten Bilanzkennzahlen.
Vertikale Bilanzkennzahlen zur Analyse der Aktivseite:
- Eigenkapitalquote: Die Eigenkapitalquote gibt den Anteil des Eigenkapitals an der Gesamtfinanzierung an. Sie ist ein wichtiger Indikator für die finanzielle Stabilität und Unabhängigkeit von Kapitalgebern. Eine hohe Eigenkapitalquote wird im Allgemeinen als positiv bewertet, da sie ein geringeres finanzielles Risiko signalisiert.
- Fremdkapitalquote: Die Fremdkapitalquote zeigt hingegen den prozentualen Anteil des Fremdkapitals am Gesamtkapital an. Intern hilft die Fremdkapitalquote bei Finanzierungsentscheidungen, extern dient sie Banken und anderen Gläubigern als Indikator für die Kreditwürdigkeit eines Unternehmens.
- Verschuldungsgrad: Der Verschuldungsgrad signalisiert das Verhältnis von Fremdkapital zu Eigenkapital. Ein hoher Verschuldungsgrad bedeutet, dass ein Unternehmen viel fremdes Geld nutzt. Dies schränkt seine Flexibilität ein, da das Unternehmen stärker von externen Geldgebern abhängig ist.
Vertikale Bilanzkennzahlen zur Analyse der Passivseite:
- Anlagenintensität: Die Anlagenintensität zeigt den Anteil des Anlagevermögens am Gesamtvermögen. Ein niedriger Wert bedeutet, dass das Unternehmen über mehr liquide Mittel verfügt, da weniger Anlagevermögen langfristig gebunden ist. Eine hohe Anlagenintensität hingegen deutet auf ein höheres Risiko und weniger finanzielle Flexibilität hin.
- Umlaufintensität: Die Umlaufintensität gibt den Anteil des Umlaufvermögens am Gesamtvermögen an. Sie ist ebenfalls ein Indikator für die Flexibilität des Unternehmens. Eine hohe Umlaufintensität bedeutet, dass das Unternehmen schnell auf Veränderungen reagieren kann, da es über mehr liquide Mittel verfügt.
Horizontale Bilanzkennzahlen:
- Deckungsgrad: Der Deckungsgrad I analysiert, inwieweit das Vermögen eines Unternehmens durch Eigenkapital gedeckt ist, während bei Deckungsgrad II die Finanzierung durch langfristiges Kapital betrachtet wird. Beide Deckungsgrade geben Aufschluss über die Finanzierungsstruktur und die langfristige Stabilität.
- Der Liquiditätsgrad wird in verschiedenen Abstufungen berechnet. Er misst die Fähigkeit eines Unternehmens, seine kurzfristigen Schulden zu begleichen. Dabei werden verfügbare liquide Mittel mit kurzfristigen Verbindlichkeiten verglichen.
- Working Capital ist die Differenz zwischen dem Umlaufvermögen und kurzfristigen Schulden. Dieser Betrag steht zur Umsatzsteigerung zur Verfügung. Anhand des Working Capitals lässt sich erkennen, wie finanziell stabil und operativ effizient ein Unternehmen arbeitet. Ein hohes Working Capital bedeutet in der Regel ein geringeres finanzielles Risiko.
Durch die kombinierte Analyse dieser Kennzahlen lässt sich ein umfassendes Bild der finanziellen Lage eines Unternehmens gewinnen.
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