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Open Banking: Die Web-Giganten schlagen zu

Mit dem Inkrafttreten der Richtlinie PSD2 ist die Zahl der Akteure im Bankensystem um Einiges gewachsen.

Die PSD2 verlangt von den Banken, dass sie neuen Third Party Playern (TPP), Pay-Serviceprovidern (PISP) und Datenaggregatoren (AISP), z. B. Fintech-Unternehmen und Web-Giganten, auf geregelte und sichere Weise Zugang zum Konto und den Online-Zahlungsdiensten eines Verbrauchers gewähren, vorbehaltlich dessen Zustimmung.

Mit dem Inkrafttreten dieser Richtlinie also auch die CDs. Sämtliche „OTT(„Over the Top“), d. h. all jene Medienunternehmen, die Dienstleistungen und Inhalte über das Web anbieten und dabei traditionelle Verbreitungssysteme wie die digitale Terrestrik oder Satelliten (des Fernsehens) umgehen, können als Bank fungieren. Zu dieser Kategorie gehören die Big Players unter den Technologie-Unternehmen  wie Amazon, Google, Facebook oder Paypal, die einen zunehmend strategischen Wert für die digitale Zahlungsindustrie erkennen, da sie es ihnen ermöglicht, die Palette der angebotenen Dienstleistungen weiter zu diversifizieren, sowohl um neue Daten ihrer Nutzer zu erwerben als auch um eine 360°-Ansicht zu ihrer Person zu erhalten.

In diesem Artikel erfahren wir, was die zwei Giganten Facebook und Google bis Ende des Jahres in der Welt des Open Banking noch vor haben, welche Zukunftsaussichten der Sektor mitbringt, und vor allem welche weiteren Änderungen noch auf uns warten.

Facebook Pay

Nach der Ankündigung von Libra hat die Firma Menlo Park Ende 2019 Facebook Pay,  das neue digitale  Zahlsystem eingeführt, das über alle Anwendungen der Unternehmensgruppe – also auch Instagram und WhatsApp – genutzt werden kann, um Einkäufe zu tätigen und kleine Geldbeträge zwischen Freunden auszutauschen.

Das System, das im November 2019 in den USA eingeführt wurde und bald auch in anderen Teilen der Welt einsatzbereit sein wird, funktioniert auf sehr einfache Weise: Geben Sie einfach Ihre Kreditkartendaten ein, wählen Sie Ihre Zahlungsart und wenden Sie sich bei Problemen in Echtzeit an den Support – natürlich per Chat.

Facebook Pay wartet bei Facebook schon seit einiger Zeit mit Diensten auf, die es seinen Nutzern ermöglichen, mit Apps zu bezahlen, um Einkäufe zu tätigen, Geld im P2P-Modus zu tauschen oder zu versenden, zum Beispiel um Spenden zu tätigen.  Facebook Pay versteht sich als Aggregator all dieser Funktionen und zielt darauf ab, ihre Nutzung zu erleichtern und dabei gleichzeitig mehr Sicherheit und Schutz zu bieten.

Letzten Sommer wurde bei Facebook ebenfalls die neue Geschäftsparte „Facebook Financial“ gegründet, wo man an einem integrierten Zahlungssystem arbeitet, das es Benutzern auf der ganzen Welt ermöglicht zu entscheiden, mit welcher „Währung“ auf den Plattformen der Unternehmensgruppe gehandelt werden soll: Kreditkarten, Bankkarten oder Krypto-Währung.

Google Cache

Auch Google setzt seinen Marsch im Universum von Fintech fort, wo es bereits mit integrierten Diensten für Android und mit dem Ökosystem für mobile Zahlungen wie Google Pay arbeitet.

Google Cache ist in der Tat eine Initiative, die in Zusammenarbeit mit Citigroup und der Stanford University ins Leben gerufen wurde und darauf abzielt, ein echtes Girokonto anzubieten. Dieses bereits Ende 2019 angekündigte Projekt soll im Laufe des Jahres 2020 und zunächst in den Vereinigten Staaten anlaufen.

Dieser Dienst soll den Zugriff auf das Konto über Google Play ermöglichen, um die Verwaltung und Benutzerfreundlichkeit des Digital Wallet zu erleichtern. Es geht dabei nicht nur um digitale Innovationen in der Bankenwelt, sondern auch, wie im Fall der angekündigten Einführung von Facebook Pay um noch nie dagewesene Dienstleistungen, die eine neue Zielgruppe von Kunden ansprechen soll, welche Bankdienstleistungen auf eine völlig neue Art und Weise betrachten und die sicherlich sowohl eine Nachfrage nach neuen digitalen Dienstleistungen, wie das E-payment, als auch nach einer integrierten Verfügbarkeit dieser Dienstleistungen innerhalb der Anwendungen und digitalen Tools, die sie täglich benutzen, zum Ausdruck bringen.

Wird die Big Tech die traditionellen Bankbetreiber ersetzen?

Im Augenblick lautet die Antwort höchstwahrscheinlich Nein. Das Interesse der Technologieriesen für den Finanzsektor scheint sich in der Tat eher auf die reiche Fülle an Informationen – und damit Daten – zu richten, die mit einzelnen Finanztransaktionen verbunden sind und nicht auf die Transaktionen selbst. Das Ziel besteht also möglicherweise nicht darin, die traditionellen Marktteilnehmer zu ersetzen – mit all den Vorschriften und Kontrollen, die sich daraus ergeben würden –, sondern als eine Art Vermittler zwischen dem Verbraucher und dem Marktteilnehmer selbst aufzutreten.

Darüber hinaus sollte nicht vergessen werden, dass bei sensiblen Daten die Vertrauenskomponente eine Schlüsselrolle spielt. Während traditionelle Banken und Kreditinstitute heute das Vertrauen der Verbraucher genießen, müssen große Technologieunternehmen zunächst den „Stolperstein“ des Misstrauens ihnen gegenüber im Datenmanagement überwinden.

Keine leichte Aufgabe, wenn man an die vielen Skandale denkt, denen die Branche begegnen musste. Es ist jedoch auch wahr, dass Unternehmen wie Google, Facebook oder Apple heute ein fester Bestandteil des Lebens der Nutzer sind, so dass man sich eine Zukunft vorstellen kann, in der sich einige Nutzer bei der Verwaltung ihrer Finanzen lieber auf diese verlassen würden. Kurz gesagt, wenn sie in unmittelbarer Zukunft vielleicht keine Bedrohung darstellen, so wird die Situation in Zukunft vielleicht anders aussehen. Daher wird es für traditionelle Finanzinstitutionen von entscheidender Bedeutung sein, die zu verfolgende Strategie lange im Voraus zu planen und zu verstehen, wann sie konkurrieren und wann sie sich für eine Zusammenarbeit entscheiden.

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